Mit Trulla ausgenockt am Traum-Kitestrand

Sandra | Veröffentlicht am 6.3.2026

Verspielt blinzelnd und mit wedelndem Schwanz schaut uns Trulla an (so nennen wir sie) und holt sich ein paar Streicheleinheiten ab. Danach gräbt sie weiter an ihrem „Sandkanal“ am Strand. Die schätzungsweise jüngste Hündin des Hauses ist einfach knuffig süss und wäre zu jedem Abenteuer bereit. Für grosse Taten fühlen wir uns jetzt nicht im Stande – wir sind unter Schlafentzug viel zu doll durchgeschüttelt worden. Wir geniessen einfach die super-duper-mega-wunderschöne Aussicht, die wir hier auf der abgelegenen Insel Araceli haben.

Wer schon einmal in den Philippinen war, kann es erahnen: Uns steckt gerade die volle Dröhnung ‚Reisevergnügen Philippinen‘ in den Knochen. Wir sind quasi in einem Wisch von Caticlan nach Araceli gereist sprich vom Flughafen in der Nähe von Boracay auf eine kleine Insel, die vor Palawan liegt. Dies gestaltet sich wie folgt: Frühmorgendlicher Shuttle-Service zum Flughafen Caticlan. Von dort fliegen wir erstmal nach Cebu und mit einem Anschlussflug weiter nach Puerto Princesa auf der Insel Palawan. Da kommen wir nachmittags an. Zwischen den Flügen kommunizieren wir mit Ann, der Hotelbesitzerin auf Araceli, zu welcher wir tags darauf reisen wollen. Sie organisiert uns kurzerhand eine Busfahrt respektive schickt uns einen Telefonkontakt, der uns nachts bei der Unterkunft in Puerto Princesa abholen soll. Um das Ganze hin und her etwas abzukürzen (holy moly): Irgendwann sprechen wir mit dem Busfahrer, der uns dann doch schon um 1 Uhr abholen will, statt um 1.30 Uhr, und am Ende doch erst um 2.30 Uhr nachts kommt. Hauptsache wir fahren irgendwann mit dem Kleinbus los, in dem zum Glück auch unser Kitebag ein Plätzchen findet. Natürlich überkommt uns unmittelbar die Müdigkeit und wir fallen trotz fehlender Kopfstütze unweigerlich in den „Schlaf“; kombiniert mit den buckeligen philippinischen Strassen. Du kannst dir das Kopfnicker-Szenario bestimmt vorstellen…

Die letzten Kilometer Naturstrasse bei Tagesanbruch führen uns so richtig in die Pampa. Gegen acht Uhr morgens treffen wir im Dorf Santa Teresita ein und werden am Bootssteg ausgeladen. Beim zweiten Boot, das die knapp stündige Überfahrt nach Dumaran auf Araceli in Angriff nimmt, finden wir dann auch Platz unter argwöhnischer Beobachtung der Einheimischen. Drüben angekommen sind wir heilfroh, dass Camille mit dem Auto bereitsteht. Sie ist die Tochter von Ann und holt uns ab. Wir sind von der nächtlichen Fahrt so müde und hungrig, dass die stündige, holprige Inselquerung in einer Geduldsprobe endet. Roarrr. Als hätten sie es geahnt: In Kürze steht ein süsser Willkommensdrink und ein Stück selbstgemachte Pizza bereit und wir dürfen das Zimmer beziehen. Ist das ein schönes Gefühl! Ein Mittagsschlaf erfolgt sogleich.

Frisch gestärkt kann ich dir jetzt berichten: Wow, die Anreise hat sich gelohnt. Wir sind paradiesisch abgelegen in einer netten, einfachen Unterkunft und der Kitestrand ist eine Augenweide. In den nächsten Tagen soll guter Wind aufziehen – wir halten euch auf dem Laufenden!

Mittlerweile sind wir seit mehr als einem Monat auf den Philippinen und wir lieben es; die wunderschönen Landschaften, die aufgeschlossenen Leute und herzlichen Begegnungen, die sommerlichen Temperaturen, die Abwechslung mit Komfort, Einfachheit, Inselgeschwindigkeit, Chaos sowie Abenteuer. Wir haben gemächlich gestartet, indem wir uns mit Jasi und Mario zum Kiten in Mindoro getroffen haben. Da waren wir letztes Jahr schon, siehe Blogbeitrag.

Nachdem Seb in Mindoro mithilfe der Drohne Ausschau nach der Fähre hielt und bestätigt, dass diese pünktlich dran sei, machen wir uns mit Jasi auf zum Hafen und weiter nach Caticlan. Nicht ohne noch der einen oder anderen Valentinstags-Überraschung in die Arme zu laufen. Zuerst erfreut uns eine Verkehrskontrolle, bei welcher wir von der Polizei mit künstlichen Rosen und Karaoke-Gesang bedüdelt werden. Später endet unsere Einkaufsfahrt mit der Gastgeberin Toni und den Engländer-Touristen der Unterkunft im Apero. Wir „crashen“ damit vielleicht ein bisschen die romantisch dekorierte Atmosphäre im Restaurant. Aussen vor gelassen, dass wir aufgrund des mit Gepäck schwer beladenen Tricycles den einen Hügel hoch gehen statt fahren, hihihi.

Das alles, weil wir schauen wollen, was Caticlan noch zu bieten hat ausser, dass es das Eintrittstor zu Boracay ist. Da treffen wir nämlich ein paar Tage später auf meine Eltern. Zum Einstieg ihrer Ferien in den Philippinen haben wir eine gemeinsame Zeit geplant und wollen zusammen Tablas erkunden. Die Tablas Insel ist nördlich von Boracay gelegen und eine dreistündige Fährfahrt von Caticlan entfernt. Grundsätzlich ist sie also in der Nähe von Boracay und doch so viel anders als Boracay.

Nun in der Vierergruppe unterwegs, gehen wir bei der Reiseplanung ein bisschen anders vor als sonst und recherchieren etwas mehr. Wir probieren es zumindest. Bei der Recherche lasen wir übrigens auch, dass Kitesurfen möglich sein könnte. Trotz aller Vorbereitungen und gebuchten Unterkünfte starten wir mit vielen Unsicherheiten in diesen Trip.

Wir finden auf Google Maps eine Autovermietung, die uns in der WhatApp-Konversation vor die Wahl stellt: Pick-up oder Motorrad. Dass wir uns untypischerweise für den Pick-up entschieden, war die beste Entscheidung. Ansonsten wären wir bei den Strassen wohl nicht weit gekommen. So fahren wir bis ganz in den Süden von Tablas und besuchen den wunderschönen Pili Beach. Als der Wind aufzieht, fahren wir zum Aglicay Beach, wo wir mehrere Sessions mit unserem 12er Kite geniessen. Einen Spotbeschrieb sowie Impressionen zu den Strassen dorthin findest du im entsprechenden Instagram-Post.

Im Norden begeistert uns der Ausflug zum Leuchtturm mit Weitsicht sowie Echsen- und Schildkrötensichtung und der traumhaften Fischerbucht, bevor es die über 300 Treppenstufen wieder hoch zum Auto geht. Obwohl oder vielleicht auch gerade weil wir nicht genau wussten, was wir auf Tablas erwarten können, wurden wir von wunderschöner Natur und Ruhe überrascht (das Zirpen, Krähen und Bellen der Tierwelt nicht mitgemeint). Es ist so „unerforscht“, dass selbst Google Maps uns einmal für eine schnellere Route über eine buckelige Kiesstrasse den Hang hoch schickte – das war dann selbst für unseren Pick-up zu steil und wir mussten kurze Zeit später umdrehen.

Ein grosses Dankeschön an meine Eltern, die sich auf diese etwas andere Reise mit uns eingelassen haben und allen Unsicherheiten trotzten. Auf dass sie mit dieser Reise gut vorbereitet in ihre weitere Zeit auf den Philippinen starten. Denn wer hier reist, kann einiges erleben und erzählen. So hätte ich noch mehrere Anekdoten auf Lager und könnte noch seitenlang weitererzählen, was wir erleben, bis auch der oder die Letzte von euch definitiv nicht mehr weiterlesen kann/mag, hihihi.

Gestern zum Beispiel konnten wir in ein Strandbungalow umziehen mit bestem Blick auf den Tinintian Strand (unter den schönsten Kitestränden, die wir bisher sahen). Wir machen uns gerade bettfertig und dann klopfts an der Tür, begleitet von einem lauten „Maaaaurooo, Saaandraaaa“. Camille, die Tochter des Hauses, steht mit Gläsern, Tassen, Kaffee-/Milchpulver und Zucker vor der Tür. Sie möchte uns das geben, damit wir uns mit dem Wasserkocher im Bungalow Kaffee kochen können. Mauro lehnt dankend ab und meint „Ich komme eh jeweils morgens im Haupthaus Wasser holen und bringe dann Sandra den Kaffee, wir brauchen das nicht, kein Problem.“ Diese Antwort akzeptiert Camille jedoch nicht: „Was ist, wenn du in der Nacht Kaffee möchtest?“ Schallendes Gelächter (wir schlafen ja dann üblicherweise) und wir merken, dass jegliche Widerrede zwecklos ist. Ihr seht, wir werden bestens umsorgt und das nicht erst seit wir hier auf Araceli sind. Wir erleben eine riesige Gastfreundschaft der Filipinos und Filipinas.

Bei uns steht jetzt ein Spaziergang ins Dorf an. Nach all den Strapazen der Anreise und dem darauffolgenden Migräne-Knockout bin ich wieder bereit, in den Alltag hier einzutauchen und etwas zu erleben! Selbstverständlich begleitet uns Trulla, die Hündin, die immer wieder nach uns sieht oder Streicheleinheiten abholt. Mehr dazu beim nächsten Mal.


Karma, Kitedoktor & bellende Schauspieler

Mauro | Veröffentlicht am 12.4.2026

Liebe Leserschaft, ich lade euch ein auf eine Reise durch meine Erinnerungen und Erlebnisse der vergangenen Wochen. Zieht das Gurtzeug eurer Satteltaschen fest und klemmt den Gaul ordentlich zwischen die Schenkel – das wird ein wilder Ritt.

Ihr habt im letzten Blogbeitrag von Sandra bereits einen Einblick zur Insel Araceli erhalten. Unsere Zeit dort bietet noch einige Anekdoten mehr. Ann, die Besitzerin der Unterkunft, ist eine fürsorgliche Gastgeberin gepaart mit der herzlichen Strenge einer ehemaligen Lehrerin. Sie umsorgt uns und schaut, dass wir ja eine gute Zeit haben bei ihr. Sie hilft uns bei allen Anliegen. Nur bei der Reparatur unseres 12er Kites stösst auch sie an ihre Grenzen. Eine Reparatur, welche wir nicht ohne externe Hilfe umsetzen können. Ich versuche zwar, das Problem auf eine – sagen wir mal – sehr billige Art zu lösen. Wie erwartet, erweist sich das nicht als nachhaltige Lösung: Ich lande nach einer Session den Kite und päng-zisch, alle Luft entweicht aus dem Kite. Das Problem (die Erläuterung für die Kiter*innen unter euch): Die Öffnung in der Fronttube für das Ventil der Strut-Verbindung ist ausgefranst, weshalb der Bladder in der Fronttube so lange aus dem Aluula drückte bis er platzte. Es bringt also nichts, das Loch im Bladder zu reparieren, wenn die Öffnung nicht verstärkt sowie genäht wird.

Wir treffen in der Unterkunft ein Pärchen aus Deutschland, das uns von einem Kitedoktor erzählt. Der soll just aktuell auf Araceli sein und eine Nähmaschine dabei haben. Wir evaluieren den Typen, welcher täglich mit seinem Wingfoil in die Wellen steigt. Aufgrund der offensichtlichen Vorzüge macht sich Sandra im knappen Bikini auf den Weg, um ihn anzusprechen. Der Köder zieht. Der Fisch beisst und sagt, wir sollen später bei ihm vorbeischauen. Als wir ankommen, hält er bereits das benötigte Ersatzteil in der Hand, die Nähmaschine ist bereit für den Rest und für den geplatzten Bladder hat er auch eine Profi-Behandlung auf Lager. Was für eine glückliche Fügung. Diese kann nur Sandras Bedacht auf die Pflege des Karmas zugeschrieben werden. Deal unter Dach und Fach: 100 Franken und einen halben Tag später holen wir den Kite ab. Wir sind sprachlos. Er hat es sogar besser hinbekommen als im Original. Chapeau! Nicht auszudenken, was es bedeutet hätte, diese Reparatur anderweitig zu organisieren.

Unsere Laune ist kaum zu steigern, aber Marian schafft dieses Wunder. Sie ist die Schwiegertochter von Ann und schmeisst die Küche im Restaurant unserer Unterkunft. Da wir eher vegetarisch unterwegs sind (ja, wer mich kennt, kann das kaum glauben), hilft sie uns mit eigens für uns kreierten Gerichten. Wir fragen zum Beispiel nach Bananenblüten. Zack, zaubert sie ein wunderbares Gericht damit. Wir werden verwöhnt!

Verwöhnt wird auch Sandra allmorgendlich. Denn ich plündere auf meiner Joggingrunde um sechs Uhr morgens die örtliche Bäckerei. Frische Pandecocos (ein Brötchen mit süsser Kokosraspelfüllung) werden Sandra zusammen mit Kaffee ans Bett geliefert. So bin ich halt…

Die Zeit in Araceli neigt sich dem Ende zu und wir haben eine neue Destination auf dem Radar: Guimaras, die Insel der Mangos. Also nichts wie los zurück nach Puerto Princesa und mit dem Flieger weiter nach Iloilo (ausgesprochen: Ilo-Ilo). Dort angekommen steigen wir in ein Taxi, das uns ins erste Hotel bringt (eine Zwischenstation auf der Reise nach Guimaras). Ein topmotivierter Taxifahrer mit sympathischem, zahnlosem Lächeln gondelt uns zu Musik von Modern Talking in die Stadt. Eine Nacht schlafen – ab auf die Fähre – und voilà: Herzlich willkommen auf Guimaras.

Das Tourismusbüro empfängt uns, notabene zu dritt, am Hafen. Bitte einmal die Personalien angeben. Eine Person von uns reicht, die Daten müssen wohl noch übertragen werden. Wir treffen auf Stefan, welcher das Kitecenter Guimaras leitet. Er ist in einem schönen, zwei Hektar grossen Hotelkomplex eingemietet. Als einzige Gäste des Hotels wie auch von Stefan steht uns ein VIP-Service zu. Wir geniessen das Nichtstun, Kiten und Essen.

Zum Kitespot hat Sandra in Perfektion bereits eine Zusammenfassung auf Instagram veröffentlicht (Zum Kitespot-Post). Erwähnenswert auf der kulinarischen Seite ist die Mangopizza. Pizza Hawaii ist für Anfänger*innen; Pizza mit Mango ist was für Hartgesottene. Wider Erwarten schmeckt sie fabelhaft. Es gibt auf der Insel alles von und mit Mango. Mein Traum: Mangos, soweit das Auge reicht. Sie küren auch jährlich die schönste Mango. Das führt dazu, dass die Mangos am Baum von Hand mit Zeitungen eingepackt werden, um sie zu schützen.

Mit vollem Bauch fahren wir die zirka dreissigminütige Fahrt von Jordan in Richtung Hotel zurück. Und da stehen sie: POLIZEIKONTROLLE! Auch wenn Stefan uns zuvor erzählte, an Touristen seien sie bei Kontrollen nicht interessiert, scheint das bei uns anders zu sein: „Führerausweis bitte!“ Nach eingehender Kontrolle des internationalen Ausweises fragt er mich, ob ich Schauspieler sei. Ist ihm nicht zu verdenken diese Frage. Er will auf Nummer sicher gehen und auch den Schweizer Führerschein sehen. Immer noch nicht überzeugt, holt er seinen Kollegen und fragt diesen, ob er mich nicht als Schauspieler erkennt. Ein kurzes Gelächter später, fahren wir wieder los und geniessen die Alleen voller Mangobäume.

Meine Morgenroutine kommt auch hier nicht zu kurz. Nach der ausschweifenden Pizzaorgie steige ich wieder in die Laufschuhe. Es ist spannend, die philippinischen Inseln beim Joggen zu erkunden: Viele freundliche Gesichter, die munter grüssen. Hunde, die mich zum Bellen herausfordern (ich habe herausgefunden, dass lautes Zurückbellen am besten funktioniert – ja, darfst du dir ruhig bildlich vorstellen). Sogar Lauffreundschaften entstehen kurzzeitig: Eines Morgens laufen plötzlich zwei kleine Jungs mit mir mit, zirka achtjährig, und löchern mich mit Fragen. Woher ich komme und sowieso und überhaupt. Nach ein paar hundert Metern fordern sie mich zu einem Sprint heraus – dieser Übermut. Da ich just an diesem Tag auf einem längeren Lauf bin (14km), muss ich passen. So überlasse ich den zweien den Sieg. Sie biegen beim nächsten Shop ab und gehen Einkaufen.

Ja, die Philippinen waren gut zu uns. Viele tolle Begegnungen und lustige Unterhaltungen haben wir genossen. Nun ist Zeit für ein neues Kapitel unserer Reise – Thailand erwartet dich nach der Diashow!

Erste Station Bangkok. Man sagt: Einmal angekommen, verschlingt einen diese Stadt. Das hat was! Wir entreissen uns der Faszination und reisen nach Jomtien. Ich freue mich, meinen Vater wieder einmal zu sehen. Wir treffen uns als Erstes, um eine alte Fehde aufleben zu lassen. Was viele vielleicht nicht wissen: Ich fuhr als Kind Gokart in der Schweizer Meisterschaft. Mein Vater hat mir dies ermöglicht und trotz meines Erfolges (Zweiter beim Klubrennen in Wohlen bei strömendem Regen) versiegte die Unterstützung nach einem Jahr. Seither lassen wir es uns jedoch nicht nehmen, wann immer die Gelegenheit es zulässt, uns beim Gokartfahren zu messen. Diese Wettkämpfe gingen bis vor einigen Jahren immer zugunsten meines Vaters aus. Also hopp, nichts wie los auf die Kartbahn von Pattaya. Aus Angst vor Repressionen lassen wir das Ergebnis dieses Rennens aussen vor. Auf jeden Fall hat es mächtig Spass gemacht! Wir besuchen auch die Welse, welche wir letztes Jahr in den Teichen des Hauses freigelassen haben (Story dazu hier). Diese gedeihen analog zum Besitzer prächtig im thailändischen Klima. Wir spielen einige Partien Billard wie früher und lassen uns zu neuen kulinarischen Highlights ausführen. Hand aufs Herz: Mein Vater spielt um Welten besser Billard, als er Restaurants bewertet. Anyway, Merci für die tollen Tage und die Zeit mit dir!

Wir reisen zurück nach Bangkok und ziehen in ein wunderschönes Hotel. Dank unseres booking.com-Status erhalten wir bereits bei der Buchung ein Upgrade vom Standard- zum Deluxe-Zimmer. Im Hotel sind wir der Rezeptionistin wohl so sympathisch, dass wir direkt zur Suite weiter „upgegradet“ werden; eine Zweizimmerwohnung inmitten von Bangkok. Der Fitnessraum mit Laufband wird sogar Zeuge von Sandras erster Joggingrunde mit den neuen Turnschuhen.

Wir treffen genau in diesem Hotel auch auf Vivi und Thömi, die während ihrer längeren Reise zeitgleich einen Stopp in Bangkok machen. Vivi ist eine alte (also nicht im Sinne des Alters) Freundin von Sandra. Wir gehen zusammen fein essen (was uns in Jomtien verwehrt geblieben ist) und besuchen einen Muay-Thai-Anlass in der Rajadamnern Arena. Thaiboxen in Bangkok, wir wären ohne Thömi nie dorthin gelangt und hätten echt was verpasst. Wer mal in der Stadt ist: Unbedingt so eine Show besuchen!

Als Abschluss kreuzen sich unsere Wege mit Jasmin, mit welcher wir schon in Mindoro und Boracay unterwegs waren. Ein gemeinsames Abendessen und eine Übergabe der Sneaker von Sandra später (die sind zu heiss! Jasi erklärt sich zum Glück bereit, diese mit in die Schweiz zu nehmen – Danke!), machen wir uns am darauffolgenden Tag auf in Richtung Vietnam. Dazu das nächste Mal mehr.

Eine Kleinigkeit habe ich vergessen: Beim Boxen wie auch beim Thaiboxen wählt jeder Kämpfer die Musik für seinen Einmarsch in den Ring. Was viele sicher nicht wissen: Sandra ist eine ehemalige Boxerin (Ja, das ist auch der Grund, warum ich immer Ja und Amen sage…). Aufgrund dieser Tatsache frage ich sie: „Welchen Song würdest du wählen?“ Wie aus den Kanonenrohr kommt: „Cotton Eye Joe von Rednex!“ (natürlich nicht ganz ernst gemeint). Ich breche vor Lachen zusammen. Für die, die diesen Song nicht kennen: Unten das Musikvideo. Man stelle sich die Situationskomik vor. Die Gegnerin würde Forfait geben, bevor der Kampf überhaupt beginnt. Ich habe den Hauptgewinn mit meiner Sandra!


Beste Rundenzeiten in Süd-Vietnam

Sandra | Veröffentlicht am 20.5.2026

Meine Backen schlackern im Fahrtwind hinten auf dem Scooter. Zehn Minuten gefahren und wir düsen gegen die Nordseite der vietnamesischen Insel Con Dao. „Oh, schau, Mauro, hier ist ein schöner Aussichtspunkt!“ Und schon sind wir vorbei gefahren. „Hey, lass uns bald einen Stopp machen, um uns etwas umzusehen und ein paar Bilder zu machen!“ Mauro drückt noch immer auf die Tube und nimmt Kurve für Kurve auf der Küstenstrasse. Wie könnte es anders sein, fahren wir gerade an einem weiteren Panorama-Stopp vorbei. Ich beginne laut zu lachen. Ein neues Motto ist mir dazu gerade eingefallen: Wir machen kein Sightseeing, wir fahren Bestzeiten.

Sitzt Mauro auf oder in einem Gefährt, ist das Ziel das Ziel. An diesem Tag wollen wir mit dem Mietroller einmal die Insel umrunden. Da Con Dao nicht besonders gross ist, besteht kein Grund zur Eile: Die Runde südlich unseres Hotels dauert gerade mal 40 Minuten. Wenn wir gegen Norden zum Flughafen fahren, dauert ein Weg höchstens 20 Minuten. Am Ende schaffen wir es dann doch, unterwegs ein paar Stopps zu machen und die Aussicht über die Klippen zu betrachten. Wir besuchen sogar noch einen Strand. Besser gesagt hüpfen wir regelrecht zum Wasser, da der Sand extrem heiss ist. Anscheinend kann man hier während der vietnamesischen Windsaison kiten (ca. November bis März/April). Soviel dazu: Den Wind haben wir mit unserem April-Trip verpasst.

Uns war schon bewusst, als wir in Thailand die weiteren Reisepläne schmiedeten, dass es eng werden könnte. Trotzdem haben wir uns für Vietnam entschieden. Erstens weiss man ja nie genau, wann die Saison tatsächlich endet. Zweitens ist Vietnam einfach ein lustiges und günstiges Reiseland. Passt gut in unsere Route, bevor die Saison in Indonesien anläuft. Nachdem wir schon letztes Jahr eine schöne Zeit in Vietnam verbrachten (siehe Blog), hatten wir noch ein paar Ideen, was wir Neues erkunden könnten.

Erst ist da Vung Tau – mit dem Schiff in zwei Stunden von Ho-Chi-Minh-City erreichbar. Der Küstenort hat einen langen Strand, der gut Wind abbekommen könnte. Wir begegnen am Strand sogar zwei Kitefoilern, die ihr Glück versuchen; ein trauriger Versuch aufgrund der schwachen Brise. Unsere Begegnung mit Win war da schon etwas witziger. Wir laufen vom Strand schnurstracks weiter ins Lotte-Shoppingcenter. Am Eingang werden wir von einem Jungen angesprochen. Er möchte Englisch üben und fragt, ob er uns begleiten und etwas plaudern dürfe. Erst etwas perplex, schlagen wir ihm diesen Wunsch natürlich nicht aus. Win ist in der siebten Klasse, erfahren wir. Er hat viele Fragen auf Lager und brilliert ebenso durch Wissen über die Schweiz. Schlaues Kerlchen mit einer coolen Strategie, um sich Fremdsprachenkenntnisse anzueignen. Gleichzeitig hilft er uns, uns im Einkaufscenter zurecht zu finden. Win-Win mit Win. Hihihi.

Wir merken ziemlich schnell, dass uns der Ort nicht liegt für einen längeren Aufenthalt. Beim Blick auf die Vorhersage: Kein Wind in Aussicht. Wir denken uns: Wenn jetzt ein Ort noch etwas Wind abbekommt, dann wahrscheinlich eine Insel vor der Küste Vietnams. Also besteigen wir morgens um 6 Uhr das grosse Schnellboot nach Con Dao. Ohne Wind und Wellen war die rund vierstündige Überfahrt sehr ruhig und bequem. Ausser dem Intermezzo, als wir noch etwas schlaftrunken beim Gang auf Deck in die Fänge einer lebendigen Dame geraten. Noch im Türrahmen stehend zieht sie uns nach draussen und in ihr Tiktok-Video. Es folgt ein engagiertes Shooting – also vor allem mit Mauro, meinem Sahneschnittchen.

Mit Kitebag reisen wir in der Regel langsamer. So buchen wir direkt zwei Wochen auf der Insel. Wir hatten eine super Unterkunft, die Landschaft und Natur ist mega und es gab mehrere tolle Restaurants. Die frischen Kokosnüsse, Drachenfrüchte, Mangos und Pomelos vom Markt waren unsere Standardsnacks. Wir hätten es definitiv noch länger ausgehalten. Es stehen jedoch noch zwei weitere Ziele auf unserer Liste. Bevor wir wieder ins Schnellboot steigen, folgen einige Impressionen vom Erzählten:

Jetzt fahren wir mit dem Phu Quoc Express zirka zwei Stunden nach Tran De, unser Eingangstor fürs Mekongdelta. Wir tauchen ein ins Labyrinth aus Flüssen, Sümpfen und Inseln. Die Gegend ist auch als „Obstgarten Vietnams“ bekannt und produziert eine riesige Vielfalt an Früchten und Gemüse. Die Autofahrt zur Unterkunft ist dementsprechend beeindruckend. Ebenso die frühmorgendliche Tour durch die Flüsse zum schwimmenden Grosshandelsmarkt Cai Rang inklusive vietnamesischem Frühstück (der Nudelsuppe Pho), einem Besuch in der Nudelfabrik und einer Runde über den lokalen Markt. Getreu dem Motto „Bilder sagen mehr als tausend Worte“, zeigen wir dir vor der Weiterreise nach Phu Quoc Fotos von unserem Zwischenhalt im Mekongdelta:

In Phu Quoc angekommen, folge ich dann doch noch meiner „Vietnam-Tradition“. Ich liess mich schon letztes Jahr von der asiatischen Brillenmode inspirieren, die ausserdem mit einem attraktiven Preis-/Leistungsverhältnis brilliert. Auch dieses Jahr lande ich in einem Brillengeschäft. Tatsächlich passt ein Modell wie angegossen. Innert 10 Minuten fertigt der Verkäufer selbsttönende Brillengläser in der passenden Sehstärke. Wow. Die gute Sicht hilft vielleicht, Phu Quoc aus verschiedenen Perspektiven kennenzulernen. Wir haben nämlich unterschiedliche Sachen darüber gelesen und sind mit gemischten Gefühlen angereist. Da es gut in unsere Route passte, wollten wir uns ein eigenes Bild machen. Nach all der Natürlichkeit auf Con Dao und im Mekongdelta sind wir hier im „Bauboom“ gelandet. Immerhin sind nicht mehr so viele Touristen da (Stichwort: Verkehr, Party…), denn in Kürze beginnt die Regenzeit.

Auf den ersten Blick sehen wir auf der rund 50 Kilometer langen Insel viele Baustellen, grosse Hotels und irgendwas dazwischen sprich Gebäude, die mal mehr oder weniger fertiggestellt sind. Immer wieder klafft in der Natur ein Loch. Entweder für Schutt oder Baumaterial oder wie beim baumbewachsenen Hügel, wo durch eine grosse Schneise eine ebenso grosse Strasse durchführt. Neben dem Flughafen befindet sich eine riesige Baustelle. Wir lesen später, dass der Flughafen für den APEC-Gipfel 2027 ausgebaut wird. Bis dahin wollen sie die Passagierkapazität erhöhen von heute 4 Millionen pro Jahr auf 18 Millionen pro Jahr. Vietnam.vn berichtet, dass der jetzige Flughafen an einem Tag zu Beginn der touristischen Hochsaison 86 Flüge abfertigte, darunter 50 internationale Flüge. Wir verdrehen die Augen. Passt zu den künstlichen Siedlungen, die wir im Süden sichten oder der Gondelbahn, die Nachbarinseln erschliesst. Ähnlich ist auch die Hotel-Stadt, die an den angeblich schönsten Strand der Insel gebaut wurde. Ja, der Strand ist wirklich schön. Das gesamte Drumherum ist für unseren Geschmack einfach zu künstlich. Sieht alles aus wie eine Kulisse. Wie auch die mindestens fünf grossen Strandrestaurants mit höchstens einer Handvoll Gäste. Die Calamari, die Mauro isst, schmecken dann unerwartet sehr gut.

Ja, es ist nicht alles an unserem Geschmack vorbei… Am Nachbarstrand gibt es auch mehr Vietnam-Flair: Eine Gruppe singt bei unserer Ankunft lautstark die vermutlich grössten Vietnam-Hits. So nehmen wir die Challenge an, die schönen Ecken auf Phu Quoc zu finden und huldigen. Angefangen beim Hotel, das uns eine gemütliche Zeit beschert. Leckeren Kaffee trinken wir in einem nahegelegenen Café. Währenddem wir da den Riesenbambus bestaunen, spricht uns genau wegen diesem Bambus ein Vietnamese an. Er ist wegen dem Job als Guide auf die Insel gekommen. Weil der Bambus ihn an seine Jugend und Heimat im Mekongdelta erinnert, geniesst er hier regelmässig eine Tasse Kaffee. Das Gespräch nimmt noch die eine oder andere spannende Wendung; unter anderem erfahren wir mehr über zwielichtige Baugeschäfte und Wohnungsverkäufe.

Etwas skeptisch sitzen wir eines Abends in einem stylischen Fusion-Restaurant. Die Ansage: Pizza und Pasta inspiriert von verschiedenen vietnamesischen Gerichten unterschiedlicher Regionen des Landes. Klingt wild, oder? Doch von wegen kulinarischer Unfall – nach dem ersten Bissen Pasta verwandelt sich unser Stirnrunzeln in Entzücken. Alles von Essen über Ambiente bis hin zum Service war sensationell.

Ohne Frage, es hat viele komische (Souvenir-)Shops. Wer mit einer neuen Brille hinschaut, der findet aber auch da Perlen ;-). Ausser dem bereits erwähnten Brillengeschäft landen wir zum Beispiel in einem kleinen Laden, der Leinen-Klamotten auf Phu Quoc entwirft und näht. Und wir stossen auf lustige Tipps und Tricks. Wir lernen beim Gespräch in einem anderen coolen Shop, dass wer seine Unterarmlänge in Relation zu seiner Hosengrösse kennt, nie mehr Hosen im Geschäft anprobieren muss. Andere Nationen wiederum orientieren sich am Halsumfang. Kanntest du diese Tricks?

Reise-philosophisches Fazit: Wo Schatten ist, findet man Sonne. Und: Wer Mauro vor sich auf den Scooter setzt, der düst mit ordentlich Fahrtwind über jede Insel – und stoppt dann bestenfalls auch an den richtigen Orten… hihihi.

Wir hören, in Indonesien kann man mithilfe verschiedener Gefährte auch einiges entdecken. Also geht es beim nächsten Mal so weiter. Denn wir haben einen Flug nach Lombok gebucht. Nach einem kurzen Abstecher nach Sulawesi geht unsere Reise danach weiter in Richtung Ozeanien. Wir sind gespannt, denn es könnte heiter werden: Bei der Flugbuchung konnten wir erst kein Gepäck hinzufügen, aber eine Option für verspätetes Gepäck dazukaufen… Ist das ungewöhnliche Extra vielleicht ein schlechtes Vorzeichen? Bleibt „on-air“ und erfahrt, wie es weiter geht!


Muh, Marco & andere Persönlichkeiten

Mauro | Veröffentlicht am 11.6.2026

Nach Vietnam steht Indonesien auf dem Fahrplan. Seit Beginn dieser Reise haben wir nur Länder besucht, welche wir bereits von unserer letzten her kennen. So war auch die Vorbereitung auf die Reise nach Lombok geprägt von Fragen, Unklarheiten und vielleicht sogar Vorurteilen? Ja, wir Menschen sind halt einfach Gewohnheitstiere. So kam es, dass Sandra und ich uns bei den Vorbereitungen schwerer tun als auch schon. Angefangen beim indonesischen Visum. Bleibt man länger als 30 Tage, erfordert das einen Background-Check. Wir müssen unter anderem einen Bankauszug einreichen. Ein Beweis, dass wir liquide genug sind, um 60 Tage zu überleben. Fühlt sich komisch an, dies online an eine wildfremde Behörde zu senden. Dabei tun wir das jedes Jahr bei den Steuern. Dort schaut definitiv mehr Krehti und Plethi über unsere persönlichen Dokumente. Anyway. Alles eingereicht, Gebühren bezahlt und der indonesische Staat hat geliefert. Wir fliegen von Ho-Chi-Minh-City zuerst nach Kuala Lumpur und danach weiter nach Lombok. Unser Gepäck hat die Reise so pünktlich wie wir hinter sich gebracht. Nix mit Zusatzdienstleistungen wegen verspätetem Gepäck, wie Sandra im letzten Beitrag andeutete.

Gelandet am Lombok International Airport steht wie immer die erste Amtshandlung an: die SIM-Karte! Bereits dort erleben wir die unglaublich gastfreundliche und liebenswerte Art der Menschen hier. Weiter zum Taxistand. Wir verlassen uns auf die App unseres Vertrauens und buchen auf Grab eine Fahrt nach Kuta. Muh wird ab da unser Taxifahrer des Vertrauens. Super zuvorkommend mit einem verschmitzten Lächeln – wir werden noch einige Anekdoten mit ihm erleben. Dazu später mehr. Spätabends erreichen wir Kuta, die erste Destination in Indonesien. Da wir keine Ortskenntnisse, aber dafür umso mehr Hunger haben, entscheiden wir uns für das nächstgelegene Warung (was hier für ein kleines, familiengeführtes Restaurant steht). Wir essen die erste Portion Nasi bzw. Mie Goreng, also gebratener Reis respektive Nudeln mit Ei. Zirka 5 Franken später fallen wir müde ins Bett.

Am nächsten Morgen nix wie los und Kuta erkunden. Hmm… Sandra und mir wird schnell klar: Das ist nichts für uns. Dafür fühlen wir uns 20 Jahre zu alt. Da wir sowieso nach den drei Nächten hier in Richtung eines Kitespots ziehen wollten, verfolgen wir diesen Plan nun definitiv weiter. Ekas heisst der Ort unserer Begierde, wo wir länger bleiben möchten. Weil wir uns auf Booking nicht für eine Unterkunft entscheiden können, schauen wir uns die Optionen kurzerhand vor Ort an. Ich nutze die Gunst der Stunde: Mehr als eine Stunde auf einem normalen Roller fahren? Viieeeel zu unbequem. Besser wir entscheiden uns für ein Motocross-Motorrad!

Smile, ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert. Wir knattern nach Ekas. Bei all den Schlaglöchern passt das Motocross-Motorrad ziemlich gut. Zuerst erkunden wir die Unterkunft, welche Sandra bevorzugt. Rustikal, seeehr günstig und trotzdem für mich mit Starlink-Internet, da ich nebenbei noch ein bisschen arbeite. Weiter geht es zur zweiten Unterkunft, die zur Auswahl steht. Dort angekommen essen wir erst einmal zu Mittag. Tallon, der Sohn der australischen Besitzerin, zeigt uns ein frisch hergerichtetes Häuschen im angrenzenden Secret Garten Resort. Zack, Sandra ist begeistert. Ich sowieso und die Sache wird fix eingetütet: Tallon, wir kommen übermorgen!

Zurück in Kuta erkunde ich bei meiner morgendlichen Joggingrunde den Mandalika Circuit. Die Rennstrecke ist Teil der MotoGP Meisterschaft. Bei einem darauffolgenden Besuch mit Sandra – offizieller Fototermin – sind einige einheimische Touristen vor Ort. Sie fragen nach einem Foto mit mir. Auch nachdem ich klargestellt habe, dass ich nicht Valentino Rossi bin, bestehen sie darauf. Schön, wenn man Freude bereiten kann. Wir steigern unsere kulinarische Ausbeute vom Warung hin zum Hipster-Sauerteig-Pizza-Restaurant. Hier schlagen wir uns die Bäuche voll, bevor wir in Ekas vermutlich eher einfachere Küche geniessen werden.

Der Umzug nach Ekas steht an. Muh steht frisch und fröhlich am Eingangstor, um uns wie vereinbart abzuholen. Auf dem Weg sprechen wir über Shrimp-Farmen und Tabakplantagen, trotz seines beschränkten Englisch-Wortschatzes. Er sei es am Lernen und entschuldigt sich tausendfach. Da fragt er mich, ob ich auch rauche. Ich verneine und füge als Witz an: „Sonst bekomme ich von Sandra aufs Dach!“ Er lacht und bekräftigt, dass es ihm genauso geht. Seine Frau mag das gar nicht. Ich denke, deshalb fährt er auch so gerne Auto, hehe ...

In Ekas angekommen, erwarten wir Wind. Nach einem Monat Kitegepäck-Schleppen durch Vietnam ist dieser sehr willkommen. Tallon organisiert für uns und ein paar andere Kitesurfer*innen den Fahrer vom kleinen Kitecenter am Kaliantan Beach (auf Insta findest du den Spotbeschrieb). Una, unser Fahrer in Ekas, holt uns ab und bringt uns in einer 30-minütigen Fahrt zum besagten Kitestrand. Wind, Wasser, nix wie los! Nach etwa zwei Tagen sind Sandra und ich uns sicher: Hier in Ekas lässt es sich bleiben. Wir verlängern direkt auf über drei Wochen. Mal mit Wind, mal ohne. Letzteres kommt meinen Arbeits-Projekten entgegen.

Was nicht fehlen darf, ist die Joggingrunde um 6 Uhr. Hier ist es mehr eine Berg- und Talfahrt. Nur ganz kurze Strecken sind annähernd flach. Nachdem mich die Karten-App Komoot mindestens einmal ins Nirgendwo schickte, finde ich eine geeignete Runde mit einem Mix aus Asphalt und Feldweg. Ich geniesse das morgendliche Zusammentreffen mit den Einheimischen. Sei es das Hallo vor praktisch jedem Haus (ja, die sind dann schon wach und versammeln sich in der Holzhütte vor dem Haus) oder, noch lustiger, mit Kindern vor der örtlichen Schule. Sie ziehen von High-Five bis Mitrennen alle Spassregister. Der Eindruck vom Flughafen mit der herzlichen und einladenden Bevölkerung hat also nicht getäuscht. Eines Morgens stehe ich nach starkem nächtlichen Regen vor einer Pfütze in der Grösse eines kleinen Sees. Trocken vorbeizukommen ist unmöglich. Weil ich keine Lust auf nasse Laufschuhe habe, will ich schon umdrehen. Plötzlich hält ein Dorfbewohner auf einem Scooter neben mir und macht mit einer kleinen Kopfbewegung deutlich: Spring auf, Junge, ich fahr dich durch die Riesenpfütze. Und das tut er dann auch. Ohne Worte.

In unserem Resort, geführt von der Australierin Lee-Ann und Tim, einem ehemaligen Surfprofi aus England, geniessen wir herrliche Pancakes, Burgers und Cheesecakes. Sandra wird zu Sharon (warum auch immer?) und ich übernehme immer mal wieder den Wasser-Dienst, d.h. ich fülle den Wasserspender mit einer neuen Flasche auf. Wir gehören innert kürzester Zeit zur Familie, auch wenn die Hündin Coco mich gar nicht gerne rennen sieht (eine harte Nuss, wenn es um die Abschreckung mittels Bellen geht)…

Am Kitestrand lernen wir Adi kennen, welcher die Kiteschule leitet. Also nur so halb, wie er mir erklärt. Eigentlich ist es ein Gemeinschaftsprojekt verschiedener Dorfbewohner. Was die aus den alten Kites rausholen ist beeindruckend. Sogar Foils aus Holz und Glasfaser stellen sie selber her. Wir wechseln vom Taxidienst zum Roller und fahren mit diesem vollbepackt von der Unterkunft zum Strand. Kiten macht hier Laune, auch wenn es bei Flut doch sehr choppy ist. Zuweilen schlägt es dich halb zu Tode auf dem Wasser. Aber nach einem Monat Enthaltsamkeit ist das schnell vergessen. An einem windfreien Morgen versuchen wir uns auch am Wellenreiten. Das ist scheinbar ein super Spot dafür. Naja, es ist ja ein cooles Gefühl zu surfen, aber sooo lange warten auf die „richtige“ Welle und dann sooo viel paddeln ... Neee, wir bleiben beim Kiten! Bevors zu unserem nächsten Halt auf Lombok geht, hier ein paar Impressionen zu diesem Teil der Reise:

Wir entscheiden uns, bisschen westlich von Kuta noch einen Strand auszukundschaften, welcher zum Kiten geeignet scheint. Dazu buchen wir einen Bungalow bei Marco im Selene Art Glass Resort in der Nähe von Selong Belenak. Muh ist auch wieder mit von der Partie – pünktlich und zuverlässig wie immer. Wir checken ein und merken sofort: Hier empfängt uns ein Reiseprofi. Die Person, die diese Bungalows gebaut und ausgestattet hat, weiss definitiv, was Reisende suchen und brauchen. Kurz darauf lernen wir den besagten Marco kennen. Oben ohne mit haarigem Bauch begrüsst er uns herzlich und versichert, dass wenn wir etwas brauchen oder vermissen, wir jederzeit bei seinem Häuschen aufschlagen können. Dazu sei gesagt: Das Resort verfügt über drei Bungalows. Eines davon gehört eben Marco. Super klein, aber super fein alles! Am ersten Morgen fragt er uns, ob wir gerne Kaffee trinken. Ich glaube, er ist sich der Brühe bewusst, welche es zum Frühstück gibt… Certo Marco! Er zottelt los und im Handumdrehen steht bei uns frischer Kaffee aus dem Bialetti-Kännchen auf dem Tisch. Wie bei Nonna in Italien.

Wir erkunden den anvisierten Kitestrand, auch wenn kein Wind vorhergesagt ist. Jooaa, das kann man machen. Wunderschöner Sandstrand, gute Wassertiefe, ergo: Das könnte bei Wind ein passabler Kitestrand sein. Wenn da nicht die Zukunftsaussichten wären. Grosse Investoren überrennen aktuell diesen Teil der Insel. Überall sollen Bali-Häuser, Resorts und Eigentumswohnungen entstehen. Schade, wir geniessen diesen Teil wohl zum letzten Mal so unberührt. Die Bagger und Bulldozer stehen überall bereit.

Leider „müssen“ wir weiter. Bei Marco hätten wir es locker länger ausgehalten. Also Muh, wir brauchen dich wieder. Lustigerweise sagt Sandra noch so: Er hat mir diesmal nicht das Emoji geschickt, bei welchem sich das Gesicht am Ohr zieht. Ich so: Bahnhof??!! Welches Emoji meinst du? 🫡 Ahh, du meinst das, welches salutiert! Lautes Lachen… Jaa, Muh hat vergessen zu salutieren und so kommt es auch, dass er nicht zum vereinbarten Termin erscheint. Ist wohl sprachlich irgendwie ein Missverständnis gewesen und wegen fehlender Rückbestätigung hat es dann eben nicht geklappt. Viermal gebucht – dreimal gekommen. Alles easy, kann passieren. Die Ersatzfahrt, die uns nun erwartet, ist auch super: Marco organisiert kurzerhand das Auto des Nachbarn und sagt: „Ich habe eh nichts los, ich fahre euch die 45 Minuten nach Kuta.“ Er weiss, was Service bedeutet. Klaro, bei seinem Background: 20 Jahre war er für Emirates als Stationsmanager am Flughafen Mailand tätig. Einschub: Wir haben natürlich noch ein Geschenk von ihm erhalten und zwar ein Amenity Bag der Businessklasse von Emirates. Ein Kulturbeutel, den gutbetuchte Fluggäste von Emirates erhalten. Zurück zur Fahrt in einem abenteuerlichen Setup, in welchem all unser Gepäck und wir drei in dem äusserst kleinen Kleinwagen Platz finden. Er erzählt aus dem Nähkästchen – nicht von Emirates –, wie das alles hier so läuft, wie man Land kauft und so weiter. Eine spannende Persönlichkeit dieser Marco, der immer was zu erzählen weiss.

Wir setzen um auf die Insel Sulawesi. Muh ist dieses Mal wieder pünktlich und leicht verlegen zur Stelle und wir fahren zum Airport. Von da aus geht es zuerst nach Jakarta und dann gleich weiter nach Makassar. Wir haben bereits gehört – notabene von Marco –, dass wir einen Zeitsprung machen werden. Sulawesi ist definitiv noch nicht so entwickelt wie Lombok. Wir fahren vom Flughafen nach Jeneponto, wo uns Al (ausgesprochen Ääll), der Manager vom Kitesurf Jeneponto Resort erwartet. Kleine, feine und einsame Anlage analog unserem ersten Stopp in Mindoro auf den Philippinen. Wind ist da, Kite aufpumpen und los gehts. Wir geniessen hier das Nichtstun, Kiten und die lokale Küche. Beim Morgenlauf verdeutlicht sich die These, dass diese Insel noch ursprünglicher ist. Überall wird Seegras geerntet und getrocknet. Die Leute leben in einfachen Stelzenhäusern, aber sind nicht minder herzlich als auf Lombok. Ich komme kaum zu Atem vor lauter „Guten Morgen“ wünschen und „Hallo Mister“ rufen. Den Kitespot teilen wir uns mit Seegrasfelder und -farmer. Unser Glück ist, dass aktuell die Anzahl Kitesurfer*innen auf dem Wasser bescheiden ist. Zur Einordnung: Das ist Jammern auf hohem Niveau. Wir haben Sonne, Meer, Wind und frischen Fisch auf dem Teller. Was will man mehr?

Mehr Kälte vielleicht? Unsere Tage in Südostasien neigen sich dem Ende zu. Wir fliegen in wenigen Tagen nach Auckland. Da wird es ziiieemlich kalt werden. Die haben dort tiefsten Winter. Zum Glück bleiben wir nur zwei Nächte, ehe wir weiter in Richtung Osten über die Datumsgrenze weiterziehen – einmal zurück in die Vergangenheit bitte. Mehr davon im kommenden Beitrag. Wer bis hier durchgehalten hat: Hut ab! Mal angefangen, werde ich halt zur Labertasche. In diesem Sinne und Geiste: Bleibt sauber und gesund!